Gute Soldaten stellen keine Fragen

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Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Das ist das was man immer wieder hörte, ja fast schon eingeflößt bekommen hat.

Doch jeder hatte seinen eigenen Gründe wieso er hier aufgeschlagen ist. Jeder war anders. Der eine wollte etwas für die Gesellschaft tun, ein anderer für die Sicherheit des Landes und der Bevölkerung gewährleisten, während wieder ein anderer nur da war um Disziplin zu erlernen. Und man konnte nicht behaupten das wir uns zu Anfangs überarbeitet haben.

Kontrollen an Straßen und Brennpunkten, Absicherungen für riesige Veranstaltungen oder Wahlen, Hilfeleistungen im Katastrophenfall. Harte aber wichtige Aufgaben.

Doch die Aufgaben wurden mit der Zeit komplexer. Gingen tiefer in die Materie. Tiefer unter die Haut.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Das Überleben musste gesichert werden. Unruhen zerfraßen das Land. Hinterließen Schneisen der Verwüstung. Wir wurden bedrängt, von innerhalb als auch außerhalb unserer Grenzen. Sie wollten herein. Wir sollten sie draußen behalten sagte man uns.

So sprengten wir die Brücken und bauten hohe Mauern in ihren Weg. Wir mussten sie draußen halten. Zum Schutz. Für unser Volk.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Wir wurden immer mehr. Gruppierungen schlossen sich zusammen, bildeten eine Masse die für die einfachen Menschen gerade stand. Bekamen neue einheitliche Uniformen die das Gefühl einer einheitlichen, gleichgestellten Gruppe vertiefte. Wir sahen alle gleich aus. Und wir waren gleich. Doch für den einzelnen von uns gab es keinen Platz mehr. Das Wohl der Gemeinschaft war wichtiger als das Individuum.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Dasselbe galt für die Bevölkerung. Sie mussten sich fügen und ein Teil des Gesamten werden. Wer das nicht schaffte wurde bestraft, eingesperrt. Wer sich nicht bessern wollte oder Verrat betrieb wurde hingerichtet. Manche auch des einzigen sicheren Landes verstoßen.

Es war zu ihrem und unserem Besten.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Zu unserem eigenen Schutz bekamen wir Masken und Helme die unserem Kopf komplett umhüllten und mit ihm auch unsere Identität. Wir sahen nun wirklich alle gleich aus. Einheitlich rund glänzende Köpfe mit verspiegeltem Visir und Nummern am Hinterkopf. Nummern die unsere Namen ersetzen. Nur für uns.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Und gute Soldaten müssen auch körperlich in einer guten Verfassung sein. Wir wurden sortiert. Nach Größe, Kraft, Herkunft, Verletzungen oder Einschränkungen. Auch mentaler Art. Wir wurden kategorisiert und so wieder in unterschiedlich brauchbare Einheiten aufgeteilt. Einige mussten uns dadurch auch verlassen. Sie konnten die Heimat nicht mehr beschützen.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Was für das Militär funktioniert lässt sich auch auf die Bevölkerung ausweiten. Denn auch in kritischen Situation muss sich eine Ordnung durchsetzen können. Einfache praktische Kleidung wurde verteilt, immer im selben pflegeleichtem Farbton. Lebensmittel und Wohnraum umgelegt und aufgeteilt. Es wurde sortiert. Es wurde rationiert. Das Alles durch eine höhere Ordnung bestimmt.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Es traf auch die Kinder. Sie mussten sich Tests unterziehen. Für jeden wurde bestimmt wie wichtig er für das Land sein würde. Waren die Werte zu gering wurde sortiert. Später noch einmal mit Leistungstest. Sie erstreckten sich auch vor die Geburt. Frauen die einen zu geringen Teil an brauchbarem Nachwuchs lieferten wurden daran gehindert noch mehr Ressourcen zu verschwenden. Für den Erhalt des Reiches.

 

Gute Soldaten stellen keine Fragen.

 

Sie funktionieren nur. Arbeiten wie Hüllen. Wie wir. Eine Arbeit für einen Herrscher von dem nie jemand gedacht hätte dass es möglich wäre.

Vergessen ist der eigene Name. Vergessen ist es Mensch zu sein.

 

Hätte nur jemand Fragen gestellt.

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